... ist derzeit nur der Sekt
Wer kann wirklich über die Lage urteilen?
Liebe Blog-Freunde ich habe mir ein paar Tage Blog-Auszeit gegönnt. Man muss ja nicht immer alles und jeden Tag kommentieren / bloggen. Auch, wenn es Themen über Themen gibt. Sei es Hoeneß und die Steuerschuld, das Verschwinden eines Flugzeuges, die Differenzen über die Neubesetzung der Leitung des Jugendamtes in Erftstadt, die (freundlich ausgedrückt) nicht ganz optimale Planung des Kindergartens in Weilerswist-Süd...
Bewegen tut mich jedoch aktuell besonders die Lage auf der Krim. Ich sage bewusst weder Ukraine, noch Russland. Ich glaube die Frage ist offen, zu wem gehört diese Halbinsel eigentlich!? Wie so oft im Leben: die einen sagen so, die anderen so. Aber wer hat Recht? Wie konnte es überhaupt zu dieser Situation kommen? Die Krim haben viele doch bisher nur mit dem bekannten Sekt und Sevastopol, dem Standort der russischen Schwarzmeerflotte in Verbindung gebracht. Das Einzige was bei der Betrachtung der Krim aktuell as prickelnd bezeichnet werden kann, ist der Sekt. Alles andere erscheint derzeit eher hochexplosiv.
Das Problem ist vielschichtig, die Ursachen sicher auch geschichtlich begründet. Vor der Gorbatschow-Ära war es für den Westen weniger von Bedeutung, ob Ukraine, eigenständige Krim-Verwaltung oder russisches Gebiet. Es war eben die UdSSR. Ein Gebilde, dass in sich mehr oder weniger stabil war, die Fronten (wenn ich es so nennen darf) klar. Moskau hatte seinen ganzen Einfluss und war insgesamt die führende Macht des damaligen Warschauer Paktes. Nach und nach drängten mehr Staaten in die EU und / oder Nato, Moskau verlor Einfluss, viele Russen wohnen bzw. leben weiterhin in den ehemaligen UdSSR-Gebieten. Für mich ist klar, dass diese Situation vielen Russen nicht passt. Immerhin, sie sehen sich als Weltmacht an. Und irgendwie sind sie es auch und da tut es weh an macht und Einfluss zu verlieren.
Als nun in der Ukraine die Menschen einen anderen Politikstil durch die Demonstrationen forderten taten sie dies zu Recht. Auch die geforderte Absetzung des ersten Mannes im Staate war gerechtfertigt. Ob jedoch die dann dabei erfolgte Vorgehensweise richtig war, wage ich zu bezweifeln. Ist die aktuelle Staatsmacht legitimiert? Bedürfte es nicht einer freien und ehrlichen Wahl durch alle in der Ukraine lebenden Menschen? Warum wird dieser Demokratisierungs- bzw. Legitimatisierungsprozess für meinen Geschmack, meiner Wahrnehmung nach, so lange hinausgezögert? Dies überzeugt unter dem Demokratiegedanken nur wenig.
Die am Sonntag erfolgte Abstimmung auf der Krim war eine Farce. Demokratisch ist auch hier sicherlich etwas anderes. Unter mehreren Möglichkeiten nur über zwei Alternativen abstimmen zu lassen ist keine wirkliche Wahl. Ein Ergebnis von über 90% Zustimmung, für wen oder was auch immer, ist bei mehreren Optionen (auch wenn es nur zwei sind) für mich immer etwas fragwürdig. Wenn man dann bedenkt, dass auch noch Panzer auf den Straßen stehen, habe ich ein mehr als ungutes Gefühl dabei. Demokratie geht jedenfalls für mein Verständnis anders.
Ich finde die einzelnen Teilbereiche des ukrainischen Gebietes (und insgesamt) sollten erstmal unter den aktuellen Verhältnissen eine demokratisch legitimierte politische Führung bekommen. Dies scheint jedoch in weiter Ferne zu liegen. Schade. Was durch dese von beiden streitenden Seiten hervorgerufen wird ist derzeit leider nur eine Verschärfung der Auseinandersetzung, eine Zuspitzung, die hoffentlich am Ende nicht mit militärischem Einsatz endet. Das wäre eine Katastrophe.
Ich glaube jedoch, dass hier nicht die Vernunft und Einsicht siegt, sondern am Ende die unterschiedlichsten wirtschaftlichen Interessen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich es mal so sehen würde, aber ausnahmsweise sind hier einmal wirtschaftliche Abhängigkeiten vielleicht der Schlüssel um einen Konflikt, ja gar einen Krieg, zu vermeiden. Alle Beteiligten in dieser Auseinandersetzung importieren und exportieren gegenseitig wichtige Waren, die die/der andere Kontrahent jeweils nicht hat. Leider ist nur diese Tatsache wirtschaftlicher Abhängigkeiten manchmal das, was die Regierigen bewegt etwas zu tun oder doch zu unterlassen.
Grüße,
Uwe Wegner
(Uwinho)
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