Wie war das doch gleich mit dem Vergnügen?
Es ist schon immer wieder erstaunlich, wie schnell und intensive manche Dinge diskutiert werden. Wichtigeres jedoch oftmals weniger
Beachtung findet. Schaut man sich alleine mal bei facebook die Diskussionen um
ein noch nicht eröffnetes Lokal in Liblar an, kommt man aus dem Staunen fast nicht
mehr heraus. Sollte man meinen, dass die Probleme um den städtischen Finanzskandal das
absolute Hauptthema sind, irrt man. Obwohl über Jahre hinweg Forderungen von mehreren
Millionen Euro wohl seitens der Stadtkasse nicht beigetrieben worden. Die Diskussionen
ins Unermessliche steigen ließ in diesen Tagen stattdessen eine ganz offenbar in Kürze bevorstehende Eröffnung einer
Tabeldance- und Nachtbar mit dem sinnbildlichen Namen „No Limits“.
Das Lokal wird von außen und innen entsprechend auf
Vordermann gebracht. Ja, ich bekenne, auch ich konnte mir bei dieser Diskussion
den einen oder auch anderen Kommentar nicht verkneifen. Wie die meisten anderen
auch, ebenso wenig Ernst gemeint. Allerdings macht diese Tatsache auch einmal deutlich,
in welcher Gesellschaft wir leben. Ernste Probleme eher mal zur Seite schieben
und stattdessen flache Unterhaltung. Wohl gemerkt: ich will mich selber hier
keineswegs ausnehmen, nicht das man mich hier falsch versteht. Ich finde das
Leben ist oft Ernst genug, da schadet auch die eine oder andere ironische
Unterhaltung nicht. Insoweit kann man sagen, dass diese neue Gaststätte mitten
in Alt-Liblar bereits vor ihrer Eröffnung bekannt ist und im wahrsten Sinne des
Wortes schon jetzt eine echte Unterhaltungsgaststätte ist.
Das Thema hat aber auch ernste Seiten und wirft einige
Fragen auf und zeigt zudem einiges über unsere Gesellschaft. Beispielsweise
führte es sehr schnell zu falschen Gerüchten, etwa das neue Etablissement würde
in die Räume des ehemaligen Restaurants „Alt-Liblar“ einziehen. Dies war und
ist völlig falsch. Es handelt sich um andere Räume und das gute kroatische
Lokal, welches ich sehr schätze, gibt es zum Glück auch weiterhin. Diese erste
Fehlinformation, die sicher nicht böse gemeint war, sollte uns aber einmal
mehr dazu ermahnen uns zugänglich gemachte Informationen gelegentlich zu
hinterfragen.
Fraglich ist, wie die Bevölkerung mit dem neuen Lokal
umgehen wird. Ist das künftige No Limit das Lokal, welches einige der lokalen
Politikerinnen und Politiker sich immer für die Entwicklung der
Carl-Schurz-Straße gewünscht haben, wenn sie von einer „Amüsiermeile“ sprachen?
Ausdrücklich genannt wurden hier bislang stets Gaststätten. Vermutlich dachten
da die Ortsbürgermeisterin Moron und der ehemalige Bürgermeister Dr. Rips eher
an traditionelle Speiselokale, weniger an Betriebe wo manche Männer eher für sie
verbotene Früchte (ver)naschen.
Spannend wird für mich der Umgang mit diesem Lokal seitens
der FDP sein. Vor einiger Zeit machte man massiv gegen die sog.
D-Dance-Halle mobil und verhinderte diese. Letztlich argumentierte man insbesondere
mit dem Schutz der Anwohner vor den Besuchern, meist Jugendlichen und junge
Erwachsene, die zu laut seien. Wohlgemerkt in einem Gewerbegebiet! Auch die
einstige Schützbar, nur einen Steinwurf vom künftigen No Limit entfernt, musste
letztlich aufgeben. Kurz: wenige Ansätze die Stadt für junge Menschen attraktiv
zu machen, funktionierten in Liblar nicht. Die Politik forderte nach langer
Diskussion von der Stadtverwaltung ein Vergnügungsstättenkonzept. Nun kann die
Verwaltung zeigen, was aus diesem Arbeitsauftrag geworden ist. Hoffentlich ist
dieser nicht einfach in einem Karton verschwunden und der gesamte Vorgang nicht
mehr auffindbar. Da die Zuständigkeit hierfür wohl nicht bei der Stadtkasse
liegt (Erftstadt hat keine sog. „Sex-Steuer“), dürften die Chancen gut dafür
stehen, dass die Angelegenheit irgendwo im Rathaus gewissenhaft bearbeitet
wird.
Man mag zu solchen Lokalen stehen wie man will, ich will
weder eine Lanze dafür noch dagegen brechen, aber vor zwei Dingen darf man
nicht die Augen verschließen:
Erstens scheint es schlichtweg einen Markt für solche Lokale
zu geben, von denen wahrscheinlich keine wesentlichen Lärmbelästigungen
ausgehen werden.
Zweitens: die Arbeiten an der Fassade des Gebäudes stellen
die wahrscheinlich größte private Investition in die Gestaltung der
Carl-Schurz-Straße in den letzten Jahren dar. So manches Haus würde durch
einen Anstrich der Fassade, selbst wenn es eben in rot ist, an Wertigkeit gewinnen.. Wer auch immer in
der nächsten Zeit geneigt sein mag, das No Limit als Schandfleck zu bezeichnen
(ich bin mir sicher, solche Äußerungen werden kommen), der sollte sich einmal
ganz bewusst durch Alt-Liblar bewegen und sich den Gesamtzustand ansehen.
Unlimitierte Grüße,
Uwe Wegner
(Uwinho)
(Uwinho)
Guten Tag,
AntwortenLöschenalso ich habe nichts gegen solche "Amüsierbetriebe", doch so was mitten in die konservative Gegend von ALT Liblar zu implantieren, finde ich doch ein wenig zu heftig. Es gibt mit Sicherheit andere Standorte, wie z.B. diverse Viertel in Großstädten oder auch Industriegebiete usw. um so was anzusiedeln, aber nicht in Liblar. Wenn man nur das Modegeschäft Esser, welches vis a vis von No Limits, seit über 50 Jahren existiert und eigentlich für Stellvertretend für viele andere den Charakter und gewissen Charme von ALT Liblar wieder spiegelt, ist das genau so wenn man eine Milchkuh in eine Eisrevue einbauen würde.
Mein Fazit lautet, das Etablissement ist dort völlig fehl am Platz und von meiner Einschätzung her, wird es maximal nach 2 Jahren wieder schließen, denn die Erfahrung zeigt, das dieser Standort als Lokalität schlechthin immer nach kurzer Zeit wieder aufgeben musste. Außerdem zieht es im gewissen Maße zusätzlich noch irgendwelche dubiosen Gestalten und Grobzeug an. Das hat Liblar nicht verdient und zerstört den eigentlichen Charme.
Ich bin wirklich nicht erzkonservativ, sondern eher weltoffen, doch so was passt einfach nicht hier hin.
Ein Anwohner, der seit 50 Jahren in Altliblar lebt und hier aufgewachsen ist.